2026-04-17

Newroz 2026 in Bonn – Farben, Freude und ein Gefühl von Gemeinschaft

Gestern war ich in Bonn unterwegs, um das kurdische Neujahrsfest Newroz fotografisch zu begleiten. Schon im Vorfeld war klar: Das wird kein kleines Event. Und genau so kam es auch: es waren geschätzt 50 000 Besucher vor Ort.

Die erste Herausforderung begann tatsächlich schon lange vor dem ersten Foto. Einen Parkplatz zu finden, war – freundlich gesagt – eine Geduldsprobe. Rund um das Gelände war alles dicht, Straßen vollgestellt, jede Lücke besetzt. Am Ende blieb mir nichts anderes übrig, als deutlich weiter entfernt zu parken. Was folgte, war ein längerer Fußmarsch – mit Kameraequipment im Gepäck, durch die Ströme an Menschen, die alle dasselbe Ziel hatten.

Und genau dieser Weg war im Nachhinein schon Teil des Erlebnisses. Je näher ich kam, desto dichter wurde die Menge, desto bunter die Kleidung, desto spürbarer die besondere Atmosphäre. Als ich schließlich ankam, war sofort klar: Hier geht es um weit mehr als nur ein Fest. Es war lebendig, laut, emotional – aber gleichzeitig unglaublich friedlich.

Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Freundlichkeit der Menschen. Ich wurde nicht nur akzeptiert, sondern regelrecht willkommen geheißen. Viele haben mich angelächelt, einige haben bewusst für die Kamera posiert, andere haben einfach ihr Fest weiter genossen – ganz natürlich, ganz entspannt. Es gab keinerlei Skepsis, keine Distanz, sondern eine offene, herzliche Stimmung.

Diese Mischung aus Fröhlichkeit und Gelassenheit war überall spürbar. Musik, Tanz, Fahnen, Farben – und dazwischen immer wieder diese ruhigen Momente, in denen Menschen einfach zusammensaßen, lachten oder sich unterhielten. Trotz der Größe der Veranstaltung wirkte nichts aggressiv oder angespannt. Im Gegenteil: Es fühlte sich sicher und angenehm an.

Gerade als Fotograf ist es in Deutschland nicht selbstverständlich, dass man offen und frei fotografieren darf. Die Deutschen sind leider ein eher fotoskeptisches Volk. Als Street-Fotograf bewege ich mich daher oft eher am Rand, möglichst unbeobachtet, möglichst diskret und unsichtbar. Hier war das anders. Ich hatte das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein – zumindest für diesen Moment.

Newroz steht für Neubeginn, für Hoffnung und für Gemeinschaft. Und genau das konnte man dort sehen und spüren. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei der kurdischen Community bedanken. Dafür, dass ich so offen empfangen wurde. Dafür, dass ich mich jederzeit sicher gefühlt habe. Und dafür, dass ich diese besondere Stimmung festhalten durfte.

Es war nicht nur ein fotografischer Ausflug – sondern ein echtes Erlebnis. 2027 dürfte dieses Fest wieder in Köln stattfinden – und dieser Termin ist fest im meinem Kalender eingeplant.

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