2026-09-19

Wuppertaler Fotopreis 2026 – auch dieses Mal unter „ferner liefen…“

Jedes Jahr nehme ich mir vor, beim Wuppertaler Fotopreis endlich einen der vorderen Plätze zu erhaschen. Nicht unbedingt den ersten – ich bin schließlich bescheiden. Ein zweiter oder dritter Platz würde für den Anfang reichen. Hauptsache, die Jury nimmt meine Bilder nicht wieder zur Hand, betrachtet sie kurz und legt sie anschließend auf jenen imaginären Stapel, der vermutlich mit „Ferner liefen“ beschriftet ist.Das Thema lautete diesmal „Wuppertals Architektur“. Also zog ich in einer kalten Dezembernacht mit meiner Olympus OM-D E-M10 Mark IV und dem Laowa 6 mm Ultraweitwinkel los. Normale Architekturfotos kamen selbstverständlich nicht infrage. Wenn ich schon wieder unter „ferner liefen“ lande, dann wenigstens mit vollem körperlichem Einsatz.

Im Innenhof des Elberfelder Rathauses legte ich mich auf den kalten Boden und fotografierte auf dem Rücken liegend senkrecht nach oben. Vermutlich hielten mich vorbeigehende Menschen entweder für einen besonders engagierten Fotografen oder für jemanden, der dringend medizinische Hilfe benötigt. Für andere Aufnahmen verrenkte ich mir die Schulter, um die Kamera in Perspektiven zu bringen, für die der menschliche Bewegungsapparat eindeutig nicht konstruiert wurde. Dann kamen die Pfützen. Gute Spiegelungen verlangen bekanntlich, dass man sich ihnen möglichst weit nähert. Sehr weit. Idealerweise so weit, bis nicht nur die Kamera, sondern auch der Fotograf Teil des Wasserkreislaufs wird. Am Ende war ich nass, durchgefroren und körperlich ungefähr in dem Zustand, den Architektur nach mehreren Jahrzehnten ohne Sanierung erreicht. Aber der Einsatz schien sich gelohnt zu haben. Meine Bekannten mochten die Bilder. Auf 1x.com wurden einige sogar mit Awards ausgezeichnet. Fremde Menschen im Internet fanden sie also bemerkenswert – und die kennen mich nicht einmal persönlich und müssen deshalb auch nicht höflich sein.

Damit war ich überzeugt: Dieses Mal könnte es klappen. Dieses Mal würde die Jury erkennen, dass hier nicht einfach nur Gebäude fotografiert worden waren. Hier hatte jemand gelitten. Hier waren kalte Pflastersteine, nasse Kleidung und eine beinahe ausgerenkte Schulter zu einer künstlerischen Gesamtleistung verschmolzen- Die Jury sah das anders. Und so landeten meine Bilder erneut dort, wo sie beim Wuppertaler Fotopreis inzwischen vermutlich ein eigenes Fach besitzen: unter „ferner liefen“.

Vielleicht ist das aber auch meine eigentliche Serie. Nicht „Wuppertals Architektur“, sondern „Der verzweifelte Kampf eines ambitionierten Fotografen gegen eine Jury“. Ein Langzeitprojekt über Hoffnung, Leidensfähigkeit und die erstaunliche Erkenntnis, dass internationale Foto-Awards offenbar leichter zu bekommen sind als ein vorderer Platz in Wuppertal. Im nächsten Jahr versuche ich es natürlich wieder. Allerdings warte ich vorher das Thema ab. Sollte es „Wuppertal aus Augenhöhe“ heißen, lege ich mich trotzdem auf den Boden. Sicher ist sicher.

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